Der Fluss, der singen wollte
Das Team befreit den Fluss vom Plastik und hört das Wasser wieder singen.
Am Rand der Wiese floss ein kleiner Fluss. Jeden Morgen sang er: Er gluckerte über die Steine und begrüßte die kleinen Fische. Mingo und Zana saßen oft am Ufer, um ihm zuzuhören. Doch eines Tages, als sie kamen, sang der Fluss nicht mehr. Das Wasser schlich langsam und trüb dahin, als wäre es müde.
1
Mingo zückte sofort seine Lupe. „Warum singt er nicht? Was ist mit ihm passiert?“ Er schlich näher ans Wasser und sah genau hin: Plastiktüten, die zwischen den Steinen festhingen, Flaschen, die dem Wasser den Weg versperrten, Deckel und bunte Verpackungsfetzen. „Der Fluss ist nicht krank“, sagte Mingo langsam. „Das Plastik hat ihm den Weg versperrt, und damit auch seine Stimme.“
2
Zana wurde traurig und dann wütend. „Wer macht denn so etwas?“ „Vielleicht jemand, der es nicht besser wusste“, sagte Mingo. „Blätter verrotten und werden zu Erde, aber Plastik nicht. Es kann Hunderte von Jahren im Wasser bleiben und zerfällt dabei in so winzige Stückchen, dass die Fische sie verschlucken.“ Plötzlich ging Zanas Licht an. „Ich hab eine Idee! Wenn der Fluss sich nicht selbst sauber machen kann, helfen wir ihm!“
3
Zana rief alle Freunde zusammen, und Bleta brachte für jeden Handschuhe mit. Mingo stellte vier Körbe ans Ufer und klebte auf jeden ein Schild: PLASTIK, GLAS, METALL, PAPIER. „Warum vier?“, fragte Nini. „Weil aus jeder Art von Müll etwas Neues werden kann“, erklärte Mingo, „aber nur, wenn wir ihn richtig trennen. Aus einer Plastikflasche kann eine neue Flasche werden oder sogar eine Parkbank!“
4
Die Arbeit begann. Nini, die Jüngste im Team, sammelte die Deckel zwischen den Kieselsteinen auf. „Eins, zwei, drei, vier, fünf… und noch viel mehr!“ Dali, geduldig wie immer, löste die Plastikfetzen langsam von den Schilfhalmen, ohne sie zu zerreißen. „Ganz langsam, aber wunderschön!“ Mingo und Zana zogen die Tüten zwischen den Steinen hervor und legten jede in den richtigen Korb.
5
Neben einem großen Stein entdeckte Mingo eine zerbrochene Glasflasche mit scharfen Kanten. Ein Stück weiter steckte eine alte, schwere Dose tief im Schlamm. Mingo streckte die Hand aus. „Warte!“, sagte Bleta ruhig. „An scharfen Sachen kannst du dich schneiden, und schwere Sachen können dir wehtun. Wenn etwas scharf oder schwer ist, was machen wir dann?“ „Wir bitten einen Erwachsenen um Hilfe!“, antworteten alle.
6
Bleta holte die Erwachsenen von der Wiese. Sie kamen mit dicken Handschuhen, einem starken Seil und einem Eimer für das zerbrochene Glas. Ganz vorsichtig legten sie das Glas in den Eimer. Dann packten alle zusammen das Seil, Große und Kleine. „Eins, zwei, drei… zieht!“ Mit einem lauten „Plopp!“ kam die Dose aus dem Schlamm, und alle purzelten lachend ins Gras.
7
Als auch die allerletzte Tüte heraus war, begann das Wasser schneller zu fließen. Es sprang über die Steine, glitzerte in der Sonne und wurde wieder klar. „Pssst!“, sagte Zana. „Hört mal!“ Gluck, gluck, gluck! Der Fluss sang wieder. Ein kleiner Fisch sprang aus dem Wasser, als wollte er „Danke“ sagen. Nini klatschte vor Freude in die Hände.
8
Am Ende war der Plastikkorb randvoll. Mingo dachte angestrengt nach. „Heute haben wir den Fluss sauber gemacht. Aber wie halten wir ihn morgen sauber?“ Zana und Dali malten zusammen ein großes, buntes Schild: „HIER SINGT DER FLUSS. BITTE KEINEN MÜLL WEGWERFEN!“ Daneben stellten sie einen Mülleimer. Währenddessen brachte Bleta die Körbe zum Recyclinghof, damit aus dem Müll neue Dinge werden konnten.
9
An diesem Abend saßen Mingo und Zana wieder am Ufer. Der Fluss sang, und Zanas Licht tanzte auf dem Wasser. „Der Fluss kann nicht um Hilfe rufen“, sagte Zana leise. „Aber er hat es uns mit seiner Stille gesagt. Das will ich mir merken: Wenn die Natur still wird, müssen wir genauer hinhören. Und wenn wir alle zusammen helfen, singt sie wieder.“
10
Der Fluss, der singen wollte
Das Vorlesen nutzt die Stimme Ihres Browsers. Microsoft Edge hat meist eine albanische Stimme, Chrome oft nicht.